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    Weil Antworten nicht einfach

    so vom Himmel fallen.

    Geschichte der westlichen Astrologie

    Schon immer versuchten wir Menschen das Geschehen um uns herum in Raum und Zeit einzuordnen und nachzuvollziehen. Unsere westliche Astrologie nahm ihren Anfang im babylonisch-sumerischen Raum und bezog sich einerseits auf die Himmelsbeobachtungen und die dort wiederkehrenden Erscheinungen und andererseits auf die Zyklen der Natur. Die damaligen Menschen setzten die jährlich, halbjährlich oder monatlich wiederkehrenden Himmelsphänomene in Beziehung zum Geschehen auf der Erde. 

     

    Sie erkannten den Zusammenhang zwischen dem jährlichen Sonnenlauf mit seinen Tag- und Nachtgleichen, den Winter- und Sommersonnenwenden sowie den Zyklen des Mondes und verstanden den Einfluss dieser Himmelserscheinungen auf die verschiedensten Bereiche: Die Landwirtschaft bei Saat, Wachstum, Reife/Ernte, Brach, die Gezeiten des Meeres, wohl auch auf den Menstruationszyklus der Frau, und somit auf die Zyklen des Lebens mit Empfängnis, Wachstum, Geburt, Altern und Tod.

     

    Ein Hinweis auf das damals tiefgreifende Verständnis von Werden und Vergehen sind Funde von modellierten Frauenfiguren in Mesopotamien. Sie reichen zurück bis ins 10. Jahrtausend v. Chr., also in vorsumerische- und vorbabylonische Zeiten, und deuten darauf hin, dass die Menschheit in dieser Zeit noch matriarchal ausgerichtet war und der grossen Göttin huldigte.

     

    Die ältesten schriftlichen systematischen Sammlungen von empirischen Daten der Himmelsbewegungen stammen von den Sumerern und begannen im 3. Jahrtausend v. Chr. So finden sich im babylonischen Raum auch die ersten Hinweise auf eine Einteilung der Ekliptik in zwölf gleich grosse Teile zu 30° – den 12 Tierkreiszeichen. 

     

    Aus geozentrischer Sicht ist die Ekliptik die kreisförmige Bahn, welche die Sonne bei ihrem scheinbaren Lauf um die Erde während des Jahres durchschreitet. Die beiden Schnittpunkte der Ekliptik mit dem Himmelsäquator (der ans Himmelsgewölbe projizierte Kreis des Erdäquators, welcher einen Abstand von 23°27‘ zur Ekliptik am Himmel hat) bilden den 0°-Punkt (Widderpunkt = Punkt der Frühlingstagund-nachtgleiche = 21. März) resp. den 180°-Punkt (Waage-Punkt = Punkt der Herbsttagundnachtgleiche = 23. September). Diese beiden Bezugspunkte sind fix. Das System der 30°-Einteilung der Ekliptik ermöglichte den antiken Astrologen fortan die exakte astronomische Vorausberechnung der Planetenstände (in Raum und Zeit). 

    Unsere westliche Astrologie ist somit eine geozentrische und daher zyklische, jahreszeitlich erden-orientierte Astrologie und arbeitet mit dem tropischen Tierkreis. Sie umschreibt die zurzeit der Geburt und während des Lebens vorherrschenden (zyklisch wiederkehrenden) Energien und stellt deren Auswirkungen auf den Menschen – seine Anlagen und Qualitäten im Hier und Jetzt – sein Erdenleben und -erleben ins Zentrum. Sie beschreibt über die Planeten ebenfalls die Qualität der verschiedenen Persönlichkeitsanteile des Menschen und zeigt zusätzlich auf, wie von hier aus Verbindungen oder Entwicklungen hin zu den höheren Ebenen des Bewusstseins („dem Himmel“) ermöglicht werden. Aber auch, wie sich die höheren Ebenen auf die Zeitqualität im Hier und Jetzt auswirken – sowohl im Kollektiv als auch beim Einzelnen.

     

    Die westlichen Tierkreiszeichen haben heute – aufgrund der Präzession der Tagundnachtgleichen – nur noch vom Namen her mit den bekannten, zum Teil gleich lautenden, astronomischen Sternbildern am Firmament zu tun. In babylonischen Zeiten trugen die Sternbilder bei der 30°-Einteilung der Ekliptik zur Namensgebung der Tierkreiszeichen bei, weil sie sich damals in diesem Bereich befanden. So stand der 0°-Punkt auf der Ekliptik damals tatsächlich im Sternbild Widder. Es gibt jedoch Hinweise, dass die Babylonier – noch vor den Griechen – bereits um die Präzession der Tagundnachtgleichen wussten.

    Die Präzession der Tagundnachtgleichen

    und die astrologischen Zeitalter

    Die Präzession der Tagundnachtgleichen entsteht durch die sehr langsame Kreiselbewegung der Erdachse um sich selber innert 25‘800 Jahren (= Verschiebung der Ausrichtung des Nordpols). Diese Rotation schiebt den siderischen Frühlingspunkt innerhalb von ca. 2‘150 Jahren um 30° (respektive ca. alle 72 Jahre um 1°) in den Sternbildern zurück. Daher befand sich zur Zeit von Christi Geburt die Sonne während der Frühlingstagundnachtgleiche am 21. März (siderisch) im Sternbild Fische. Die Astrologen sprechen vom “Fische-Zeitalter”. Das Christus-Symbol war schon immer ein Fisch. 

     

    Heute wird “vom Beginn des Wassermann-Zeitalters” gesprochen, da die Sonne sich siderisch gesehen während der Frühlingstagundnachtgleiche am 21. März dem Übergangsbereich von anfangs Fische zu Ende Wassermann nähert – und sich nicht wie im fixen tropischen Tierkreis auf 0° Widder befindet. Der feste Bezugspunkt für den siderischen Tierkreis ist bei den meisten siderischen Systemen der ekliptikale Kreis, auf welchem sich der Fixstern Spica im Sternbild Jungfrau befindet.

     

    Die siderische Astrologie, wie sie z. B. in Indien praktiziert wird, arbeitet mit den effektiven Sternbildern am Himmel. Sie berücksichtigt somit deren Bewegungen in der Zeit (die Präzession der Tagundnachtgleichen) und zum Teil auch im Raum – nicht aber in der vedischen (indischen) Astrologie. Je nach Richtung der siderischen Astrologie – z. B. in der anthroposophischen Astrologie – wird die unterschiedliche Grösse der einzelnen Sternbilder, also der Raum, ebenfalls berücksichtigt. Die siderische Astrologie ist eher spirituell, auf ein grösseres Ganzes, auf eine universelle Sicht (den Kosmos) bezogen und stellt das Karma oder die spirituelle Entwicklung, die Erleuchtung sowie Überwindung des Erdendaseins ins Zentrum. Die Deutung der Qualitäten und Eigenschaften der Sternbilder (Charakterdeutung) steht eher im Hintergrund – im Gegensatz zur westlichen Astrologie, in der die Tierkreiszeichen von grosser Bedeutung sind, da sie die Art und Weise beschreiben, wie ein planetares Prinzip (ein Archetyp) zum Ausdruck kommt.

    Astrologie als Werkzeug

    Die Astrologie ist ein hervorragendes Werkzeug, um neben den charakterlichen Grundanlagen (den Verhaltensweisen, Talenten und Bedürfnissen) insbesondere die zeitliche Dauer, Art und Qualität von Entwicklungen und Prozessen im Leben von Menschen oder im Weltgeschehen zu umschreiben. Indem die moderne westliche Astrologie versucht, möglichst vom gegenwärtigen Entwicklungsstand sowie dem kulturellen und sozialen Umfeld eines Individuums oder einer Gesellschaft auszugehen und die modernen Deutungen der Tierkreiszeichen Erkenntnisse der Psychologie miteinbeziehen (z. B. C. G. Jungs Archetypenlehre), bemüht sie sich, jeden Determinismus auszuschliessen. 

     

    Gleichzeitig liegt im Tierkreis eine uralte, tiefe Weisheit verborgen. Er umschreibt die "Reise des Helden", vom Aufbruch bis zur Heimkehr, wie sie in vielen Märchen und Mythen beschrieben ist, mit all ihren Herausforderungen und Gefahren, wobei die Heimkehr symbolisch für den Eintritt in eine neue, höhere Erlebnisebene steht. Der Weg ist das Ziel.

    Astrologie als Ausdruck der Einmaligkeit allen Lebens

    Bedingt durch die ständigen Bewegungen der Planeten in unserem Sonnensystem entsteht eine unendliche Vielzahl von möglichen zeitlichen und räumlichen Bezugspunkten derselben auf unserer Erde  (Längen- und Breitengrade, im Horoskop dargestellt über den Aszendenten/die Himmelsmitte und das astrologische Häusersystem). Dadurch gibt es kein Horoskop zweimal. Dies stellt symbolisch auch die Einmaligkeit jedes Lebewesens dar. Über den leeren Kreis in der Mitte des Horoskops wird zudem das innerste Zentrum eines jeden Menschen gewürdigt. Von hier aus kann erspürt werden, dass das Individuum mehr ist als die durch Planeten und Tierkreiszeichen dargestellten verschiedenen Ausdrucksformen der Persönlichkeit. Hier kann sich der Mensch einem Bewusstsein annähern, welches am ehesten als Verbindung mit der Seele umschrieben werden kann – deren Lebens-Absichten nicht im Horoskop dargestellt sind.

     

    Trotz des Bezugs der Astrologie zur Mathematik und Astronomie bleibt diese eine Erfahrungswissenschaft, da deren Essenz – nämlich die Interpretationen – letztlich ein Produkt des nicht-linearen, nicht-kausalen Denkens ist. Die Astrologie übersetzt astronomische Fakten in Analogie-Ketten, um diese hochgradig individuell (situations- und/oder personenbezogen) ausdrücken zu können, ohne dabei die ursächlichen Gesetzmässigkeiten der astrologischen Prinzipien aus den Augen zu verlieren. Somit hängt die Qualität der Deutung ebenso stark vom Bewusstseinszustand und der Erfahrung des Astrologen ab, wie von seiner Fähigkeit, eine Synthese zu bilden und der Intuition – einer höheren Form der Wahrnehmung – Raum zu geben. 

     

    Oder anders ausgedrückt: Genauso, wie es kein Horoskop zweimal gibt, ist es auch nicht sinnvoll, ein solches stereotyp zu interpretieren. Dies macht die Faszination der Astrologie aus. Die Vielfalt der Entsprechungen, welche aus einem Symbol/Prinzip abgeleitet werden können, wenn dieses wirklich tiefgründig, ganzheitlich verstanden wird, um so sinnvolle, mitunter neue Analogie-Ketten zu bilden.